Auf der Suche nach einer Scheune um ihre Oldtimer unterstellen zu können, fanden Candy und Destré Eismann in Gräfenwarth ein altes, leer stehendes Bauerngehöft. Er gefiel ihnen so gut, dass sie zunächst beschlossen, eine Frühstückspension daraus zu machen, um ihren Kunden und Geschäftspartnern eine Übernachtungsmöglichkeit zu bieten. Denn Candy Eismann führt als Lackierermeisterin in dritter Generation das Familienunternehmen "Autolackierung J. Hirsch" in Schleiz. Mit ihrem Mann Destré hatte Candy einen Berater zur Seite als es 2004 an den Umbau des Gutshofes ging. Hier verschmolzen Unternehmergeist, sowie Fachwissen und Gespür in Sachen Farbe, Form und Gestaltung miteinander. Das Ergebnis: Ein zauberhaftes kleines Hotel, das " stilvoll liebevoll, - anders" ist und im Mai 2006 eingeweiht wurde. Die sechs aparten Zimmer sind im mediterranen Stil gehaltenen: "Piccolino", "Sole", "Fiore", "Bosco", "Pasione" und "Romanza". Eines ist schöner als das andere und das wissen auch viele Frischvermählte zu schätzen, die in dem nahe gelegenen Schloss Burgk heiraten. Seit 2007 trägt das Vier-Sterne-Hotel stolz die Auszeichnung "Member of Germany´s Top 500" und ist damit eine der 500 besten Hoteladressen in Deutschland. Eine, in der sich auch Geschäftsleute in kleiner Runde treffen können, um Ideen zu schmieden und Probleme zu lösen. Das Turmzimmer mit seinen acht Fenstern und einer Technikausstattung, die keine Wünsche offen lässt, bietet dazu beste Voraussetzungen.
Kulinarisch folgen Familie Eismann und das eingespielte Team des Hotels Piccolo ihrer Vorliebe zu Italien, wo man abends nach dem Essen noch bei einer guten Flasche Wein gemütlich zusammensitzt und die Seele baumeln lässt. Mit feinen Gerichten der aromareichen Küche verwöhnen Sie die Gaumen der Genießer.
Doch auch solide Hausmannskost steht auf der Karte. Abends schlägt die Stunde der Weinliebhaber, die sich bei einem guten Tropfen eine Jausenplatte als rustikale Brotzeit schmecken lassen. Der gemütliche Weinkeller bietet den passenden Rahmen für regelmäßig stattfindende Themenabende zu Wein und Käse. Und die Oldtimer? Die warten immer noch auf eine angemessene Unterstellung, denn die Scheune hat nun eine Bar und einen Tanzboden sowie den beliebten Scheunenmarkt für das besondere Geschenk und Mitbringsel.
Urkundliches von Gräfenwarth
Volks- und Landkunde des Fürstentums Reuß j. L.
Im Auftrag des regierenden Landesfürsten erfaßt von: G. Brückner
Hof- und Archivrat in Meiningen,Gera 1870
Gräfenwarth ( urkundlich 1325 Gravenwart, Gräfenwarth 1647, im Volke "Gräf` enwahrt" ) Kirchdorf, an der Hauptstraße von Schleiz nach Saalburg, 1 ? Stunde SW von jener ? Stunde fast N von dieser Stadt, am Südabhange des Bühl, in einer breitsohligen, auf zwei Seiten von Wald begrenzten, mit einem schwachen Bächlein, zur Wettera fallenden Thalmulde, 2zeilig von NO nach SW gerichtet und 1225 Fuß der Kirche hoch; ziemlich kühl, doch gesund gelegen, zählt mit einer Mühle und dem Hammerwerke Heinrichsthal 4 Kommunalbauten ( Kirche, Schule, Gemeinde- und Spritzhaus ), 53 Privathäuser mit 32 Scheunen, 72 Familien, 387 (1806: 406) Einwohner und an Vieh, 4 Pferde, 298 Rinder, 152 Schafe ( 29 Besitzer ), 105 Schweine, 63 Ziegen, 250 Gänse, 7 Best. . Die Häuser in der Mehrzahl freundlich: 47 zwei- und 10 einstöckige, 27 mit Schiefer gedeckt, 19 mit Schindeln, 6 mit Ziegeln, 4 mit Mischdach.
Die am unteren Ende des Dorfes gelegene Kirche, in katholischer Zeit eine Kapelle und ein Wallfahrtspunkt für die Schwestern im Kloster zum Heiligen Kreuz bei Saalburg, auch damals von diesem Stift durch einen Vicar besorgt, wurde 1702, weil die alte Kapelle zu klein und dazu baufällig war, neu, geräumig, mit biblischen Bildern geziert, überdies die ganze Kirche bis auf das Mauerwerk bunt dekoriert.
Sie besitzt in der "Kirchenlade" ein grünseidenes Meßgewand mit Kreuz und dornengekrönten Christusgebilde, ein schön gedrucktes Missala (Meßbetbuch) vom Jahre 1506, eine halbe, 12 Zoll lange Seekrebsschere und außerdem einen vergoldeten silbernen Kelch mit der gotischen Umschrift: J.N.R.E.V. Marie. Ihre schöne Orgel ist vom Jahre 1771 und ein Geschenk des hier geborenen, in weiten Kreisen berühmt gewordenen, J. Nikolaus Niklas. Auf dem 8eckigen, kuppelförmig endenden Turme befinden sich 3 im Jahre 1859 neu gegossene, mit Inschriften versehene Glocken. Von den beiden früheren Glocken stammte die größere von 1440.
Mit Kulm bildet Gräfenwarth eine Parochie, deren Pfarrer der Archidiaconus zu Saalburg ist und darum hier den Gottesdienst besorgt. Zur Erhaltung des archidiaconus in Saalburg, hat die hießige Kirche ihren Anteil beizutragen. Das Kirchenvermögen beträgt 518 1/7 Thaler. Die Kirchenbücher reichen lückenhaft bis 1633 zurück. Der Gottesacker befindet sich außerhalb des Ortes.
Am Montag nach Allerheiligen und Allerseelen wird hier die Kirchweih gefeiert.
Seit wann die Schule besteht, ist nicht zu ermitteln. Die seitherige, dicht bei der Kirche gelegene Schule, ein altes, früher einstöckiges Haus. Seit 1719 von einem Handwerker bewohntes und zum Schulhalten verwendetes Haus, später durch J. N. Nikolaus, dem Wohltäter seines Geburtsortes, zur zweistöckigen Schule ausgebaut, ist 1869 abgebrochen und durch einen neuen, geräumigen Bau ersetzt. Der genannte Wohltäter stiftete zur Aufbesserung der Lehrbesoldung ein 250 Thaler betragenes Legat ( das "Niklas`sche" ). Unterricht erhalten 74 Kinder.
Von 1601 bis 1737 folgten hier 5 Schneider, 2 Schmiede, 2 Schumacher und ein Zeugmacher als Lehrer aufeinander. Wenn 1601 der Diakonus Bleitner klagt, daß der damalige Ortslehrer nicht lesen, nicht schreiben, nicht singen könnte, so stand es mit den nachfolgenden Schulhaltern nicht besser.
In früherer Zeit besaß hier die Familie v. Magwitz ein Vorwerk nebst einer Schäferei, welche 600 Nößer hielt, Triftrecht in den Fluren: Gräfenwarth, Raila, Wernsdorf, Künsdorf, Kulm und Saalburg hatte und als Wiesengrundstücke: Löhma, Jägera, Lippisch, Kämmera, Modera, Rothenbühl, Tiefenbach, Dürrenthal, Wolfsbach, Schindlera, Grimera, Schrollera, Weidenwarth und Brendlerau besaß. Beides ging erst als Pfand, später und zwar 1372 durch Kauf an das Kloster zum heiligen Kreuz über, kam nach der Reformation an die Landesherrschaft und wurde nun in Erbpacht an die Ortsnachbarn ausgegeben.
Die Pachteinnahme betrug jährlich über 1919 Gulden. als man 1647 fand, daß durch den 30jährigen Krieg in Gräfenwarth 19 Höfe nach zweimaliger Einäscherung wüste lagen, das Vorwerk und die Schäferei eingegangen und viele Felder unbestellt geblieben waren, wies die Landesregierung den Vorschlag, das Vorwerk und die Schäferei wieder in eigene Hand zu nehmen und herzustellen, für den Augenblick nicht zurück, verkaufte aber im Jahre 1670, als die Zeiten sich gebessert haben, die Güter in 27 teilen an die Bauern. Noch jetzt bilden die Bauern, welche diese Teile gegen Übernahme eines Geld- und Getreidezinses an sich gebracht haben, die sogenannte Vorwerksgemeinde. Neben diesen Vorwerk bestand übrigens niemals ein Rittergut oder ein Domänengut zu Gräfenwarth. Der über das gräfenwarther Waldrevier gesetzte Förster, hat nicht hier sondern zu Saalburg seinen Sitz. Im Orte ein Privatwirtshaus, eine Gemeindeschenke und eine Feuerwehrspritze. Die Gemeinde hat als Grundsitz circa 2 ? Morgen (eine Wiese und zwei Gärtchen), mit dem Gemeinde- und Spritzhaus 900 Thaler Wert, daneben aber 750 Thaler Schulden und eine Jahresausgabe von 100 Thaler. Ihre 3 Kommunikationswege sind in gutem, ihre 6 Vicinalwege in leidlichem Zistand. Der Privatgrundsitz begreift 26 Bauerngüter (18 unter 40, 8 von 40 bis 80 Morgen), 38 Grundstücksverbände, 1 Pertinenz und 110 ledige Grundstücke. Die Einwohner, deren Hauptgeschäft Landwirtschaft ist, gliedern sich in 28 Bauern, 22 Häusler, 4 Tagelöhner und 33 Dienstboten. außer den Bauern treiben noch 9 Familien Feldbau, letztere aber nur nebenbei. Dem Gewerbe und Handwerk gehören 12 Maurer, 6 Zimmerleut, 23 Dachdecker, Schneider und Weber, 1 Müller, Schmied und Eisenwarenfabrikant. Neben 5 kleinen Kapitalisten und neben 28 Familien, die in guten Jahren ihr Brot verdienen, finden sich mehrere Haushaltungen in ärmlichen Verhältnissen, selbst 17 ortsarme Köpfe. Die Gesittung befriedigt indes im Allgemeinen. An Gebrechlichen ein Blinder. Die Flur , in W und N an Reuß ä. L. anstoßend, umfasst 1009 2/3 Morgen und hat 1/5 guten, 2/5 mittleren und 2/5 geringen Boden. Der mittelgute Boden steht zu 4 Thaler Pacht. In der Flur, außerdem Dorfteiche, noch 55 weitere Teiche. Hauptflurstück sind: Bennten, Hofgelände, Ruhgasse, Kirchberg, Gemeindewiesen, Dorfbach, Sauanger, Wasserplätze, Eichert, Bühl, Bühlacker, Weinberg, Schillerhügel, Ruhe, Roth, Neuleite, Molbitzleite, Siebenlinden, Möschlitzacker, Schafwiesen, Grießgrubig, Krötenbach, lange Theile, Steigtheile, Steigäcker, Herrnholz, schleizer und breite Gelänge, Waldteil, Brahmischt, Erlicht, Teilgelänge, Gulsch, Dielgelänge, Vogelherd, Forst, Lichthügel, Bergersleite, neues Geräume, Buchen, Stockleite, Wettera und Schafwiesen, Gemeindehölzer, Göhracker, Wahret.
Unter diesen Flurpunkten bietet der Bühl nicht allein eine herlliche Aussicht, sondern liefert auch dem Orte sein bestes, in trockener Jahreszeit selbstaushaltendes Trinkwasser. Gräfenwarth ist nach seinem Namen zu schließen, ein deutscher Anbau, vielleicht von einer hier vor dem angelegte Warte benannt. Scherzend leitet die Sage den Namen von dem, von einem Grafen seiner fliehenden Gemahlin nachgerufenen Worte ab: "Gräfin warte!".
In den Jahren 1325 und 1338 schenkten die Landesherrn an das Kloster zum heiligen Kreuz die Erbgerichte über 6 Bauernhöfe zu Gräfenwarth und über die Wettersmühle, die aber nach der Reformation wieder an die Landesherrn zurückkamen. Die Ober- und Niedergerichte des Ortes waren landesherrlich, ausgenommen 2 Erbzinshöfe, welche dem deutschen Haus zu Schleiz und einigen Lehen, welche dem Oschitzer Kammergute zustanden. Sämtliche Lehen (schleizer und saalburger Amtslehn, deutsches Haus und oschitzer Lehn) waren mit dem großen (10%) und dem kleinen Lehn belastet. 1679 brannten durch einen Blitzschlag 9 Häuser und 1868 durch Freveltat 9 Bauernhöfe ab.
Gräfenwarth kann dem bereits genannten Niklas ein Denkmal setzen, dies nicht allein wegen dessen Anhänglichkeit an seinen Geburtsort und nicht allein wegen dessen Wohltaten, sondern auch wegen des edlen Charakters und der bedeutenden literarischen Wirksamkeit dieses Mannes. Das dessen Namen hier an den Schulofen steht, ist schön, aber nicht alle Augen und Herzen packend.
Joh. Nikolaus Niklas, den 5. April 1733 zu Gräfenwarth geboren, der Sohn eines Bauerngutsbesitzers, ward nach vollendeten Studien erst Kollaborator zu Ilefeld, dann 1763 Konrektor und 1771 Rektor an der Michaelisschule zu Lüneburg, wo er trotz mehrfacher Berufung an andere ehrende Stellen bis an sein Lebensende blieb. Er starb unverheiratet den 22. Juni 1808. Durch den Waldfleiß, den er aus dem Elternhaus ins Leben übertrug und niemals aufgab, wie er denn täglich nur 3 Stunden schlief, hat er in der Schule und in der Wissenschaft Bedeutendes geleistet.
Zur Gemeinde, Kirche und Schule gehört die Wettersmühle und das Eisenhammerwerk (Stahlhammer) Heinrichsthal, beide Werke im Wettersthal gelegen und durch die Wettera betrieben. Der Hammer Heinrichsthal, auch Wetter- und Brückenhammer genannt und 1766 von dem Eisenhändler J.G. Weißker zu Schleiz erbaut, besteht aus einem Blauofen und Stabfeuer. Zwischen Heinrichsthal und Klosterhammer lag früher im Wetterathal das 1763 angelegte Eisenhammerwerk Christianenthal oder Sophienthal genannt. Es war ein Zainhammerwerk auf dem das Schmiedeeisen zu Stäben ausgereckt wurde. Das Werk, das noch im Anfang dieses Jahrhunderts im Besitze des kaiserlichen Reichspostverwalters Riedel in Schleiz war, ist eingegangen und 1834 gänzlich rasiert und der Platz zu einer Wiesen, Zainhammerwiese genannt, umgebaut worden. Die Wiese gehört zum Gemeindebezirk Gräfenwarth.
1544 wurde zwischen Kulm und Gräfenwarth ein Vertrag über den Wechsel ihres Gottesdienstes angeschlossen.
Das Hammerwerk Glücksthal oder Schubertshammer in NWN an der Wettera gelegen und zur Gemeinde, Kirche und Schule von Kulm gehörig, ist ein Stahlhammer, in welchem Frischeisen durch Einschmelzen von Roheisen gefertigt wird. Das Werk, 1766 vom Eisenhändler G. Schubert erbaut, kam bald darauf in den Besitz von J.G. Weißker zu Schleiz.
Im Jahre 1836 ging es ein, wurde aber 1848 vom Hammerschmied K. Pfab wieder eröffnet.
Aus obigen Werk abgeschrieben durch JOACHIM ORLAMÜNDER am 29. und 30. April 1935.
GRÄFENWARTH, den 1. Mai 1935
gez. BÖTTGER